08.10.2015

PRONAG – Baugefühl ist kein guter Kalkulator

In der aktuellen Fachzeitschrift Naturstein vom Ebner Verlag wurde PRONAG - Geschäftsführer Marc Aßmann in der Kategorie "So sehe ich das" von Herrn Harald Lachmann nachfolgend interviewt.

In meiner Praxis erlebe ich bei Steinmetzen drei Arten zu kalkulieren: Einer guckt an die Decke, wieder herunter, dann dem Kunden in die Augen und sagt schließlich: 100 €. Der zweite weiß, dass der Marktpreis bei 100 € liegt und kalkuliert damit, um den Auftrag zu erhalten. Der dritte rechnet genau, kommt auf 98,50 € oder 108,30 € und weiß: Dieser Preis basiert auf Fakten. Meist wird in der Natursteinbranche sehr emotional kalkuliert, z. B. weil man einen Auftrag als tolle Referenz sieht, die  sich gut auf der Webseite macht. Das wird spätestens dann gefährlich, wenn man seine Preisuntergrenze nicht kennt. Dann kann man weder ein wirtschaftliches Angebot abgeben, noch wirklich seriös agieren. Eine langfristige Zusammenarbeit ist damit sowohl für Auftraggeber und Nachunternehmer wie auch für die eigenen Mitarbeiter fraglich.
Doch in einem gesättigten Markt, in  dem bei öffentlichen Aufträgen oft 15 bis 50 Firmen mitbieten, verlieren stets einige die Nerven. Um eine Chance zu haben, reduziert mancher bereits intern die Vorgaben des Ausschreibenden. Kennt er dann nicht einmal seine untere Preisgrenze, ist das leicht der Anfang vom Ende. Kalkulationsirrtümer ziehen sich oft durch das gesamte Auftragsgeschehen. Und leider melden Firmen meist erst dann Insolvenz an, wenn sie bereits 70 bis 80% des Bauvolumens fertiggestellt haben und plötzlich erkennen, dass der Deckungsbeitrag die Fehlkalkulation nicht ausgleichen kann.
Nach meiner Erfahrung als Projektbetreuer reicht es nicht aus, nur pauschale Preisbildung zu  betreiben. Eine transparente Kalkulation muss nach den Kostenarten Lohn, Baustoffe, Geräte, Subs usw. aufgeschlüsselt werden - ein Spekulationspreis ist ein schlechter Begleiter. Wurde er in der  Angebotsphase nicht einmal mit potentiellen Partnern abgestimmt, etwa dem Steinlieferanten, führt das später fast immer zu finanziellen Schieflagen. Bei größeren Baustellen sollte man im Budget auch
Gelder für einen Rechtsanwalt, Sachverständigen oder Projektsteuerer zurücklegen. Doch hier schlägt  sich zu oft eine gewisse Selbstüberschätzung nieder, die kontraproduktiv für auskömmliche Preise in der Natursteinbranche ist.

Betrachten Sie hier das ganze Interview.